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Verein

Vereinschronik

 

Die ersten Jahre

Dieser Mann war Präsident des DFB, als im Jahre 1929 der FC Illingen gegründet wurde. „Papa Gnädig“, wie der Kriminalrat Felix Linnemann genannt wurde, leitete die Geschicke des DFB von 1925 bis 1945. Nach seiner Wahl im Jahre 1925 schrieb das Berliner „12-Uhr-Blatt“: … „es seien die Zeiten noch nicht so lange vorüber, da in Deutschland die Polizei sehr hinter jenen Leuten her war, die Fußball spielten und dann wegen groben Unfugs bestraft wurden, weil sie Wesen oder Unwesen an Stellen trieben, die auch für noch nicht vom Fußball ergriffene Menschen zugänglich waren.“ Bundestrainer war zum gleichen Zeitpunkt der Mannheimer Volksschullehrer Otto Nerz. So weit so gut; ob nun der Hannoveraner Linnemann oder der Mannheimer Nerz die Illinger Bastian, Minet, Heck, Malthaner, Amann, Bitterwolf, Fütterer und Böttger, alle hatten ein Ziel: das Fußballspiel.

Vor der Vereinsgründung im Jahre 1929 wurde in unserem Dorf bereits Fußball gespielt. Meist außerhalb des Ortes auf Wiesen, die aufgrund ihrer Lage nicht allzu ertragreich waren und damit kein großer Schaden bzgl. der Fütterung der Haustiere entstand. Die Gewanne „Münchhausener Wiesen“, „Gießenschlut“ oder „Dornenbuckel“ waren die bevorzugten Bereiche, in denen dem runden Leder nachgejagt wurde. Außer der Gießenschlut lagen die benutzten Flurstücke in den Inseln, auf gut Illingerisch also „in de Grinnle“. Trotz fehlender Anleitung, ohne Regelkenntnisse und ungenügender Trainingsmöglichkeiten, brachten es die jungen Männer, u. a. Fritz Minet, Karl Böttger, Stephan Bastian und German Heck soweit, dass sie von dem schon früher gegründeten SV Au am Rhein aufgenommen wurden. Diese Spieler bildeten dann auch bei Gründung des FC Illingen den Grundstock der damaligen Mannschaft. Im vorläufigen Gründungs- und Vereinslokal, dem Gasthaus „Zum Engel“, fand sich, nachdem die Voraussetzungen hierfür geschaffen waren, die Fußballinteressensgemeinschaft ein, um den Verein zu gründen. Folgende Gründungsmitglieder waren anwesend: Fritz Minet, Stephan Bastian, German Heck, Kurt Fütterer (Schriftführer), Robert Malthaner, August Amann, Friedrich Heck, Alfred Bitterwolf, Karl Böttger

An dieser Stelle nochmals ein besonderer Dank an die Gründungsväter.

Nach der Gründung schloss sich der Verein dem Badischen bzw. Süddeutschen Fußballverband an. Gründungsvorstand war Friedrich Heck, der dieses Amt bis 1931 innehatte.

 

Der erste Sportplatz

Die Bereitstellung eines Sportgeländes war nicht so normal und selbstverständlich wie es in den heutigen Tagen der Fall ist. Zumal zu dieser Zeit jedes Fleckchen Erde genutzt wurde, um Futter für das vorhandene Stallvieh zu gewinnen. Nach langem und zähem Ringen mit den Rathausoberen wurde man letztlich doch einig und der Verein bekam ein Stück Gelände am Wackenbuckel zugewiesen. Der Wackenbuckel liegt etwa 150 m östlich des heutigen Paddel-Clubhauses.

Dieses Gelände wurde in Eigenarbeit mit Schaufel und Schubkarre von den damals wenigen Vereinsmitgliedern eingeebnet. Weidenstöcke markierten die Begrenzungen, die Maße waren dabei nicht so wichtig, es musste sich halt im Rahmen des zur Verfügung gestellten Geländes bewegen. Ob die selbst erstellten Tore normgerecht waren, bleibt im Dunkel der Geschichte verborgen. Egal wie es auch beschaffen war, man hatte ein erstes Spielfeld. Ob es nun ein schlechter Rasenplatz oder ein guter Hartplatz war, war zu diesem Zeitpunkt unwichtig. Den Ansprüchen die heute an eine Spielfläche gestellt werden entsprach die Platzbeschaffenheit auf keinen Fall. Das war auch in späteren Zeiten nicht viel besser, da war der Sechzehnmeterraum ein Hartplatz und der Rest ein nicht gerade ebenes Rasengeläuf. 

Mit der erfolgreichen Teilnahme an den Pflichtrundenspielen in der untersten Klasse verschaffte sich die 1. Mannschaft bald ein Ansehen bei ihren Gegnern im Kreis Rastatt. So konnte man gegen Steinmauern einen 4:2 Sieg verbuchen und gegen Au am Rhein mit einem 2:2 Unentschieden auf sich aufmerksam machen. Turm in der Schlacht, obwohl auf verschiedenen Positionen eingesetzt, war immer Karl Böttger, der sowohl im Tor, als Verteidiger oder als Stürmer immer eine gute Figur abgab. Natürlich gab es auch Niederlagen, und zwar recht deutliche. So wollte man sich mit dem SV Mörsch messen, der zu diesem Zeitpunkt einige Klassen höher spielte; dabei gab es eine glatte 1:0 Niederlage. Nach der ersten überschäumenden Freude kam man bald zur Einsicht, dass ohne harte Arbeit sprich Training, auch im Fußball nichts geht, wenn man auf Dauer Erfolg haben will. Aus dem damaligen Nacharort Elchesheim schlossen sich mit Dionys Heck, Hermann Kölmel und Robert Kraft weitere Spieler an, die der Mannschaft, zusammen mit dem Karlsruher Trainer Allgaier, neue Impulse gaben.

In jener Zeit war das Fahrrad das gängige Verkehrsmittel. Mit diesem fahrbaren Untersatz wurden die Anreisen zu den Auswärtsspielen in Mörsch, Bruchhausen etc. unternommen. Das heute gängige Warmlaufen vor jedem Spiel wurde in dieser Zeit durch die Anfahrt ersetzt. Es waren aber nicht nur die Auswärtsspiele die eine beschwerliche Anreise erforderten, auch bei Heimspielen war es nicht immer angenehm auf das Sportgelände zu gelangen. Umgekleidet hatte man sich zu Hause, dann ging es zu Fuß, je nach Wetter mit einem Mantel behangen, den weiten Weg zum Sportplatz. Der Rückweg, verschmutzt, durchgeschwitzt und vielleicht auch noch verloren, war noch beschwerlicher. So zu Hause angekommen musste man sich am Brunnen, meist mit kaltem Wasser, reinigen. Ein Clubhaus mit Umkleidekabinen und Waschgelegenheiten, daran dachte in dieser Zeit niemand. Erst Jahre später wurde der „Opel-Blitz“ des Albert Fritz als Transportmittel eingesetzt. Das eröffnete neue Horizonte: Man wollte es den Großen abschauen. So kam es dann zu einer Fahrt nach Stuttgart, wo ein Länderspiel Deutschland-Schweiz stattfand. Etwa 20 FC-Fußballer wollten die Nationalmannschaft im Stuttgarter Neckarstadion anfeuern. Mit dem Opel-Blitz ging es Richtung „Schwaben-Metropole“ und zurück. Die Benzinkosten wurden auf alle Beteiligten pfenniggenau umgelegt. Dies geschah alles in einer Zeit, in der große Arbeitslosigkeit herrschte und jeder Pfennig mehrmals umgedreht werden musste. Es zeigt aber auch, mit welcher Begeisterung und Kameradschaft unsere Vorgänger sich ihrem Sport hingaben. Da wurden oft die persönlichen Bedürfnisse dem geliebten Fußballsport untergeordnet.

 

Vorstandswechsel / 2. Sportplatz

Von 1931 bis 1933 leitete Alfred Bitterwolf als 1. Vorstand die Geschicke des Vereins. Er löste den Gründungsvorstand Friedrich Heck ab. Alfred Bitterwolf war in späterer Zeit auch viele Jahre Vereinssanitäter. Die Lage und Beschaffenheit des „Wackenbuckel-Sportplatzes“ machte den Vereinsoberen Sorge, da dessen Zustand einen regulären Spielbetrieb nicht mehr zuließ. Geschick und Zähigkeit der damaligen Vereinsführung brachten es zu Stande, dass der FC Illingen in den „Staustücken“ (das ist die Gegend beim Altrheinsee) ein neues Gelände zugeteilt bekam. Viele freiwillige Helfer des Vereins, der damals ca. 70 Mitglieder zählte, ausgestattet mit Spaten, Schaufel und Schubkarre, erstellten die neue Spielwiese. Mit dem neuen Sportplatz wurden die Trainings- und Wettkampfbedingungen wesentlich verbessert, was sich auch darin niederschlug, dass der Verein nun 3 Mannschaften stellte. Dieser neue Sportplatz wurde später nochmals vergrößert, damit er den Maßen der gegnerischen Spielfelder entsprach. Wieder wurde diese Arbeit von den Mitgliedern in beschwerlicher Arbeit durchgeführt. Der Platz hatte jetzt die Größe von 104 auf 64 Meter.

 

Der 2. Weltkrieg: Einstellung des Spielbetriebes

Willi Fritz übernahm 1934 für ein Jahr den Vereinsvorsitz und wurde 1935 durch den „Ochsenwirt“ Josef Baumstark abgelöst. Durch die bald danach beginnenden aktiven Kriegswirren lichteten sich die Reihe der aktiven Spieler mehr und mehr; 1939 wurde der Spielbetrieb der ersten Mannschaft eingestellt. Bis 1942 waren nur noch Jugendmannschaften am Spielbetrieb beteiligt, bis er dann gänzlich eingestellt wurde. 

Neugründung 1946

Das Ende des 2. Weltkrieges und der Zusammenbruch des Dritten Reiches hinterließ auch beim FC Illingen seine Spuren. Viele unserer Besten, wie z. B. Eugen Deck, Karl Böttger, Edmund Bastian, Anton Fütterer und Hermann Busch waren gefallen, anderen standen infolge Kriegsverwundung nicht mehr aktiv zur Verfügung, wieder andere warteten noch in Gefangenenlagern auf ihre Rückkehr. Außerdem wurde von der französischen Besatzungsmacht auch ein Vereins- und Versammlungsverbot erlassen, das es nicht ermöglichte einen Neuanfang zu machen. Nachdem die Militärregierung den Sportbetrieb wieder freigab, wurde auch in Illingen wieder begonnen was 1942 endete: es wurde wieder dem runden Leder nachgejagt.

Eine Voraussetzung der Besatzungsmacht war die Vereinsneugründung. Daher wurden im Bürgersaal der Stadt Baden-Baden die Gründung der Vereine in unserem Bezirk vollzogen. Als Illinger Delegierte waren vertreten: Josef Fritz (1. Vorstand), Klemens Schmidt, Josef Niklaus, Willi Scheurer sen., Alfred Fütterer.

Nach einem Erlass der französischen Besatzungsmacht mussten außerdem die alten Vereinsnamen gelöscht werden. Aus dem FC Illingen wurde (vorübergehend) der SV Illingen (Spielvereinigung Illingen) mit den Sparten: Fußball, Schwimmen und Leichtathletik. Mit einer aus alten Spielern und jungen Aktiven zusammengestellten Mannschaft wurde bei den Ausscheidungsspielen um die neue Einteilung in der französischen Zone Südbaden die A-Klasse erreicht. In den Jahren  1947/48 wurde fortan um die ersten Plätze gekämpft.

 

Heinz Fütterers Anfänge

Im Jahre 1946 trat auch die Abteilung Leichtathletik mit einer etwa 8 Mann starken Truppe ans Tageslicht. Unter ihnen war ein Jugendlicher mit Namen Heinz Fütterer, der später für Furore sorgte. Während die meisten aus dieser Gruppe nach Erreichen der Altersgrenze sich dem Fußball zuwandten und damit die Leichtathletikabteilung aufgelöst werden musste, blieb Heinz seiner Sportart auch weiterhin treu obwohl er dank einer Sondergenehmigung des südbadischen Fußballverbandes mit 17 Jahren in der ersten Mannschaft spielen durfte.

Mangels Trainingsmöglichkeiten schloss sich Heinz dann der Leichtathletikabteilung des SV Bietigheim an und wurde dort von Lorenz Hettel trainiert. Über Bietigheim gelangte er zu Phönix Karlsruhe, heute KSC, wo er es zu Weltruhm brachte. Deutsche Meisterschaften in 100 und 200 Meter, mehrere Länderkämpfe, Doppeleuropameister 1954 über die genannten Strecken, Europarekord über 200 Meter (10,2 Sekunden), Sportler des Jahres 1954. Das sind nur einige Titel die Heinz im Laufe seiner Sprinterkarriere sammeln konnte. Das Heinz Fütterer Ehrenmitglied in seinem Heimatverein ist, ist selbstverständlich.

Auch wenn Heinz später nur noch gelegentlich in der AH des FC Illingen die Fußballstiefel schnürte, so blieb er lange Jahre dem FC Illingen erhalten als Mitorganisator von Festen oder als Vermittler von attraktiven Clubs oder Auswahlmannschaften. Wir schätzen uns jedenfalls glücklich einen solch großen Sportsmann in unseren Reihen zu haben.

 

Der Sportliche Höhenflug

Die ersten Jahre nach der Gründung des Vereins brachten einen raschen Wechsel im Amt des 1. Vorsitzenden. 1948 war es zunächst Fritz Minet, der die Geschicke des Vereins nach dessen Wiedergründung leitete. Ihm folgte 1949 der „Fußballsepp“, wie man den damals aktiven Spieler Josef Bitterwolf in späterer Zeit nannte. Walter Fritz löste 1951 Josef Bitterwolf ab und war bis 1957 in diesem Amt tätig. Das Spieljahr 1951/52 brachte für den FC Illingen, wie er sich ab 1948 wieder nennen durfte, eine große Wende in der sportlichen Geschichte. Mit dem Spielertrainer Helmut Herold, vorher Spieler des FC Rastatt 04, 8 Spielern aus dem Jahrgang 1925/26, dem damaligen „Grenzer“ Eugen Meier, gepaart mit Einsatz und Kameradschaftsgeist, wurde die Meisterschaft und damit der Aufstieg in die II. Amateurliga (heute Landesliga) errungen.

 

Der 3. Sportplatz

Man spielte jetzt in der II. Amateurliga, die Anforderungen der neuen Liga und das höhere Interesse am Fußball weckte Begehrlichkeiten. Das gesteigerte Spielniveau und die Verhältnisse bei anderen Vereinen machte Gelüste auf einen neuen, besseren und vor allen Dingen ortsnahen Sportplatz. Unter dem Vorstand Walter Fritz wurde dann die Anlage geschaffen auf deren Gelände sich auch die heutigen Sportplätze befinden. Zum ersten Mal wurden Fremdfirmen für die Planierungsarbeiten eingesetzt, da diese Erarbeiten, bedingt durch die Unebenheit des Geländes, zu aufwendig waren. Die Endgültige Fertigstellung erfolgte dann aber wieder in Eigenarbeit der Mitglieder. So war es auch möglich die neue Sportanlage zum 25-jährigen Jubiläumsfest fertig zu stellen. Die Einweihung des neu erstellten Platzes und die Feier des 25-jährigen Vereinsjubiläums gestalteten sich für den Verein zu einem Ereignis von noch nie da gewesenem Ausmaß. Das Spiel der Oberligamannschaft des KSC gegen eine Bezirksauswahl der II. Amateurliga sahen über 2000 Zuschauer. Mit diesem Spiel wurde der Reigen der Jubiläumsspiele eröffnet. Von großem sportlichen Interesse war auch das Spiel des FC Rastatt 04 (I. Amateurliga Südbaden) gegen FC Phönix Durmersheim, der zu dieser Zeit in der nordbadischen Amateurliga spielte. Die Begegnung des FC Illingen gegen die Amateure des KSC rundeten am Pfingstsonntag 1954 den sportlichen Teil des Jubelfestes ab.

Hier wird auch deutlich, dass im Vergleich zu heute, der Fußball im Vordergrund der Festivitäten stand und sich dieser vermarkten ließ. Im Gegensatz zu heute, wo hauptsächlich andere Events, um diesen neudeutschen Ausdruck zu gebrauchen, herhalten müssen um die Attraktivität einer Veranstaltung zu heben.

 

Abschied von der Amateurliga

Der FC Illingen konnte sich über ein Jahrzehnt in der Amateurliga behaupten. Auch unter der neuen Vereinsleitung von Helmut Baumstark, der 1957 Walter Fritz ablöste, hielten die sportlichen Erfolge an, nicht zuletzt dank einer guten Jugendarbeit, die Helmut Baumstark vor seiner Vorstandszeit jahrelang leitete und in uneigennütziger Weise förderte.

Doch dann kamen bittere und turbulente Jahre in der Vereinsgeschichte des FC Illingen. Die erste Mannschaft musste im Spieljahr 1961/62 in die A-Klasse (heute Bezirksliga) absteigen und erkämpfte sich nur ein Jahr später wieder den Aufstieg. Unter Trainer Rudi Gmeiner konnte man in einer dramatischen Qualifizierung letztendlich in der Verlängerung gegen Hörden mit 5:4 die Oberhand behalten und war wieder in der Amateurliga – allerdings nur für ein Jahr.

Denn was so hart erkämpft wurde hinterließ sein Spuren: Zu viele Spieler schieden aus der Meisterelf aus, teils aus Altersgründen, teils weil sie dem Verein den Rücken kehrten und sich anderen Vereinen anschlossen. Der spärliche Nachwuchs konnte diese Lücken nicht mehr schließen. So kam was kommen musste, man stieg in der Saison 1963/64 wieder in die A-Klasse ab und spielte dort bis 1971.

 

Der Bau des Vereinsheimes

Mit der Wahl von Josef Bitterwolf zum 1. Vorstand im Jahre 1965 begann wiederum ein neuer Abschnitt in der Vereinsgeschichte. Anfang der sechziger Jahre wurden schon Rufe nach einem Clubhaus laut, da die meisten Vereine zwischenzeitlich ein solches besaßen und die Spieler diesen Luxus in Auswärtsspielen genossen. Um aber ein Projekt in dieser Größenordnung zu realisieren brauchte man Geld. Die vorhandenen finanziellen Mittel reichten bei weitem nicht aus. Darlehen aufzunehmen war zu dieser Zeit Neuland für einen Fußballverein. So machte man sich Gedanken um die Finanzierung dieses Vorhabens. Mit einem groß angelegten Wassersportfest am Goldkanal wollte man den finanziellen Grundstock für das Vereinsheim legen. Im August 1963 fand dann dieses Fest, das alles bisher da gewesene vergessen ließ, statt. Der Erfolg war dürftig; es lag nicht an den Organisatoren und nicht am Programm, sondern am Wetter, welches dieses Fest scheitern ließ. Wasserskifahren, ein Boxabend nebst Inselfeuerwerk waren die Attraktionen, die vom Wind verblasen und vom Regen zugeschüttet wurden. Heute denke ich noch daran, wie wir Jugendliche seinerzeit die zerfetzten Zeitplanen des Bierzeltes notdürftig und in halsbrecherischen Aktionen versuchten zu reparieren. Es half alles nichts, der erhoffte finanzielle Erfolg viel diesen Wetterverhältnissen zum Opfer. Weitere Jahre mussten sich Spieler und Zuschauer bei der „Heck-Rosa“ schützen bei plötzlichen Regengüssen und die Spieler sich in der Halbzeit mit Getränken versorgen. Weiter mussten sich die Gästespieler, nach Spielende und einem langen Fußmarsch durch Dorf, im Ochsen in bereitgestellten Wasserschüsseln reinigen. Das was im Ochsen geboten wurde, war für diese Zeit schon fortschrittlich: Im Gegensatz zu anderen Vereinen, bei denen man in der Vereinsgaststätte einen Wasserkessel für alle hingestellt bekam, wurde im Ochsen jedem Spieler Waschschüsseln bereitgehalten.

Im Jahre 1965 war es dann endlich soweit: Nachdem der Südbadische Fußballverband das Bauvorhaben mit einer beachtlichen Summe bezuschusst hatte und sich die Vereinsleitung zur Bauausführung in Eigenarbeit entschlossen hatte, konnte das Vorhaben in die Tat umgesetzt werden. Mit beispielhaftem Einsatz waren viele freiwillige Helfer monatelang am Bau des Vereinsheimes zu Gange, „angeführt“ vom Fußball-Sepp. Dieser Name war nach dem Bauabschluss nicht mehr nur Synonym für vorbildliche Leistungen auf dem Sportplatz sondern sollte vor allen Dingen mit dem Bau des Vereinsheimes in Verbindung gebracht werden. Nach knapp zweijähriger Bauzeit konnte das neue Vereinsheim 1967 in Betrieb genommen werden. Im Rahmen eines Sportfestes wurde das Clubhaus eingeweiht, das sich bald als unverzichtbare Einnahmequelle herausstellen sollte. Dank der seit 1967 bis heute bestehenden Bewirtschaftungsform, bildet das Clubhaus, neben den Sportfesten, die wichtigste Grundlage für die Vereinsfinanzen. An dieser Stelle sei all jenen gedankt, die sich für diese Aufgabe in der Vergangenheit zur Verfügung stellten und denen die auch heute noch „Wirtschaftsdienst“ verrichten.

 

Die jüngere Vereinsgeschichte

Im Jahre 1969 übernahm Heinrich Schmidt die Leitung des Vereins. In einer Zeit, in der sich bereits ein sportliches Tief in den Leistungen des Vereins angekündigt hatte, führte Heinrich Schmidt den Verein 5 Jahre lang. 1970/71 musste der Verein in die B-Klasse (heute A-Klasse) absteigen. Aber allen Pessimisten zum Trotz, konnte die Mannschaft in den Folgejahren überzeugen und schaffte 1975 wieder den Aufstieg in die damalige A-Klasse. Inzwischen begann unter Bernhard Scholz eine intensive und fruchtbare Aufbauarbeit der Jugend. Dabei formierte sich die A-Jugendmannschaft des Vereins zu einer Truppe, die in den kommenden Jahren zweimal die Meisterschaft erringen konnte. Viele dieser Jugendspieler finden sich später wieder in der ersten Mannschaft des FC Illingen.

 

50 Jahre FC Illingen

Seit 1974 leitet mit großem persönlichem Einsatz Bernd Fritz das Vereinsschiff. Kontakte wurden geknüpft zwischen den Namensvettern aus Illingen/Saar, Illingen/Württemberg und Illange/Lothringen. Diese Verbindungen führten in den Folgejahren zu einigen sportlichen Treffen in allen vier Gemeinden, die jeweils für alle Beteiligten ein gesellschaftliches Ereignis waren. Unvergessen der Besuch bei unseren Namensvettern in Lothringen, wo wir mit einem 5-Gänge-Menue, original französisch bewirtet wurden. Mit Blick auf das 50-jährige Jubiläum wurde 1977 die gesamte Sportanlage umgestaltet. Nach Korrektur des Straßenverlaufes, der dank Anregung unseres leider zu früh verstorbenen Mitgliedes und Förderers, August Amann, zustande kam, wurde von der Gemeinde Elchesheim-Illingen ein zweiter Sportplatz als Hartplatz gebaut, der später vorwiegend als Trainings- und Ausweichplatz dienen soll. Nach dessen Fertigstellung erstand südlich davon auf dem alten Sportplatzgelände ein neuer Rasenplatz. Der wiederum von der Gemeinde erstellte Platz, hierfür gebührt heute noch Dank an die damals Verantwortlichen auf dem Rathaus, wurde 1979 zum Jubiläum übergeben und eingeweiht. Parallel zu diesen Arbeiten wurde das Clubhaus erweitert und umgestaltet. Zu diesem Zeitpunkt stellte der Verein 2 Aktive Mannschaften, wovon die erste Mannschaft in der Bezirksliga spielte, und 4 Jugendmannschaften. Das 50-jährige Jubiläumsfest war, abgesehen vom sportlichen Abstieg der ersten Mannschaft in die A-Klasse, ein weiterer Meilenstein in der Vereinsgeschichte.

  

Das 50-jährige Jubiläumsfest

Den Festauftakt bildeten die Totenehrung und das sich am Abend anschließende Festbankett. In einer vollbesetzten und geschmückten Festhalle konnte der Vorsitzende Bernd Fritz zahlreiche Gäste begrüßen, darunter noch einige Gründungsmitglieder und Trainer vergangener Zeiten. Das Fest ging am Samstag mit einem großen Jugendspieltag weiter, um am Abend mit einem Boxabend einen weiteren Höhepunkt zu erreichen. Der Bundesliga-Kampf zwischen Boxring Knielingen und Neckarsulm war angesagt; es waren interessante Kämpfe zu bewundern und ein begeistertes Publikum zu erleben. Der bunte Abend am Sonntag, moderiert und mit organisiert von unserem Ehrenmitglied Heinz Fütterer, wurde von den einheimischen Vereinen gestaltet und überbot in der überfüllten Festhalle alles bisher da gewesene. Unvergessen der Jugendchor mit Wendelin Nold. Nicht minder die Illinger Originale mit „da Honneliss“ an der Spitze. Der Nachmittag davor brachte natürlich Fußball: Mit dem Ablösespiel für Valentin Herr, SV 08 Kuppenheim gegen eine Bezirksauswahl, wurde herrliche Fußballkost geboten. Die vier Illinger spielten über die Festtage um den Illinger Wanderpokal, der in diesem Turnier von den Lothringer Kameraden gewonnen wurde. Alle Veranstaltungen waren sehr gut besucht, so blieb es auch nicht aus, dass am Montag zur Ziehung der Tombola wieder ein volles Haus zu verzeichnen war. Mit Peter Baumstark als Gewinner des Hauptpreises wurde die Ziehung abgeschlossen und noch lange danach gefeiert.

Ein weiterer Höhepunkt der Jubiläumsveranstaltungen war eine Begegnung der U 21-Nationalelf gegen eine Bezirksauswahl. Dieses Spiel, der von Berti Vogts betreuten Juniorenmannschaften, fand außerhalb der eigentlichen Jubiläumsveranstaltungen statt, da der DFB nur diesen Termin wahrnehmen konnte. Auch hier war die Festhalle voll besetzt und der Sportplatz von Zuschauern gesäumt, wie man es sich nur wünschen kann.

 

Valentin Herr in der Amateurnationalelf

Pünktlich zum Jubiläumsjahr wurde unser ehemaliger Torwart Valentin Herr zum Kader der DFB-Amateurnationalelf einberufen. Nach Heinz Fütterer, machte damit ein weiterer FC-Spross international auf sich aufmerksam. Über Kuppenheim wechselte Valentin zu Bayer Leverkusen und spielte dort zunächst in der Amateurelf des Werk-Vereines. Unter Trainer Willibert Kremer wurde er dann in die Lizenzspielermannschaft aufgenommen und bekam seinen ersten Profivertrag als Fußballer. Von Leverkusen wechselte er 1983 zu den Offenbacher Kickers, die in diesem Jahr den Aufstieg in die erste Bundesliga schafften. Weitere Stationen seiner Profikarriere waren die Zweitligamannschaften von Alemannia Aachen, Viktoria Aschaffenburg und Waldhof Mannheim. In Mannheim, die zwischenzeitlich in die erste Liga aufgestiegen waren, war er bis 1988 als Spieler, von 1988 bis 1993 als Jugend-Cheftrainer und Co-Trainer der Lizenzspielermannschaft, tätig. Im Jahre 1993 wurde er zum Cheftrainer der Profimannschaft, die inzwischen wieder in der 2. Bundesliga spielte, bestellt. In den Jahren danach trainierte der die Regionalligamannschaften von Offenbach und Eintracht Trier. Heute ist das Illinger Eigengewächs Deutschland-Chefscout beim englischen Club Tottenham Hotspurs.

 

Die Jahre nach dem Jubiläum

Nach dem Abstieg in die Kreisliga A kamen auf den Verein harte Zeiten zu. Die laufenden Vereinskosten waren vorhanden, die Einnahmen aus den Heimspielen ließen, bedingt durch den Abstieg, zu wünschen übrig. So musste diese Lücke durch andere Einnahmen gefüllt werden. Unter Reiner Gutmann, seit 1983 1. Vorstand, wurde das „Wasserarschfestival“ 1990 ins Leben gerufen. Das ist eine Rockveranstaltung im Rahmen unseres jährlichen Sportfestes, die bis zum heutigen Datum als Zuschauermagnet, vor allem für jüngere Gäste, ihren Platz als fester Bestandteil unserer Feste gefunden hat. Namhafte Bands aus nah und fern sorgten immer wieder für Stimmung und volle Hallen. Neben dieser Veranstaltung wurden auf dem geselligen Sektor weitere Aktionen unternommen. So wurden u. a. ein Mostfest, Schlachtfest und ein Fischessen ins Leben gerufen. Diese Veranstaltungen sind ebenfalls bis heute fester Bestandteil des Vereinslebens. Die Rentner des Vereins treffen sich regelmäßig im Vereinsheim, ein „Opel-Treffen“ wurde einige Jahre in der Festhalle organisiert, und nicht zu vergessen sind die jährlichen Jugendsportfeste, die abwechseln beim FC Illingen und beim FV Rot-Weiß Elchesheim stattfinden.

 

„Länderspiel“ gegen Lesotho im Jahre 1988

International ging es zu auf dem Sportgelände des FC Illingen, unsere Mannschaft spielte gegen Lesotho, eine Mannschaft aus dem Süden Afrikas. Karl-Heinz Eller war Trainer in Illingen, die Mannschaft von Lesotho hatte in der Sportschule in Steinbach ihr Trainingsquartiert aufgeschlagen und suchte Spielpartner. Durch die Vermittlung unseres Trainers kam dann ein Spiel zu Stande, das wahrscheinlich einmalig in der Geschichte des FC Illingen bleiben wird: eine echte Nationalmannschaft tummelte sich auf dem Rasen des Sportplatzes am Altrhein. Vielleicht war es die Trainingsmüdigkeit der Südafrikaner oder der FC Illingen war an diesem Tag so gut. Auf jeden Fall konnten wir als einzige Mannschaft gegen diesen Gegner gewinnen. Das Spiel endete mit 2:1 Toren für die Illinger.

 

Die 90er Jahre

Leider hielt die sportliche Leistung nicht Schritt mit dem, was sich auf dem Unterhaltungssektor abspielte. Der Abstieg in die Kreisliga B war der vorläufige Tiefpunkt auf dem sportlichen Gebiet. Im Jahre 1993 wurde mit Willi Müller ein neuer Vorstand gewählt. In dessen Amtsperiode fiel die Renovierung des Clubhauses. Mit viel Eigenarbeit und Engagement wurde das Vereinsheim im Innenbereich umgestaltet und die erforderlichen Reparaturen vorgenommen. Albrecht Becker folgte im Jahre 1997 als Nachfolger. Seit dem Jahr 2000 bis heute leitet Bernhard Knapp den Verein.

Ungeachtet aller sportlichen Schwierigkeiten, die den Zeitgeist widerspiegeln, konnte sich der FC Illingen wieder entwickeln und bietet die Voraussetzungen mit einer intakten Sportanlage und einem allen Ansprüchen genügenden Vereinsheimen, dass auch die Zukunft die Jugend ihren Sport ausüben kann und vielleicht auch mal wieder da anschließen kann, wo in früheren Zeiten gespielt wurde.

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